„Und was machst du dann jetzt so?“
Über ein Jahr lang hatte ich nahezu jeden Montag bis Freitag die vier Stockwerke in das Großraumbüro meines arbeitgebenden Start Ups erklommen, heute wohl zum vorerst letzten mal. Zwischen dem Tag einer großen Entscheidung und meinem letzten Tag hier, lag gerade mal ein Monat.
Auf die Frage was ich denn jetzt so machen würde, gab es eine ganze Reihe unaufregender Dinge. „Einen Steuerberater finden. Zum Gewerbeamt gehen. Zum Finanzamt gehen. Formulare ausfüllen die ich nicht verstehe. Briefe schreiben. Eine Geschäftsausstattung anlegen. Pläne machen. To Do Listen abhaken. Früh aufstehen und spät ins Bett gehen. Kunden akquirieren. Werbung machen. E-Mails schreiben. Ein Portfolio online stellen. Soziale Netzwerke mit Arbeit füllen. Bücher lesen. Weiterbilden. Grafik Sachen machen. Geld verdienen?“
Vielleicht hätte ich mehr Anerkennung geerntet, hätte ich wahrheitsgemäß genau so und sehr schnell sprechend geantwortet. Stattdessen verkündete ich kurz, ich würde jetzt als Freiberuflerin arbeiten und erntete stets ein freundliches, aber mitleidiges Lächeln, ein kurzes Nicken und ein „Ah ja“ oder schlimmer noch ein „Hm. Ach so.“ Und ungesagt aber doch gefühlt kam dahinter stets: „Schade, ich dachte aus dir würde was werden.“
Über ein Jahr lang hatte ich nahezu jeden Montag bis Freitag die vier Stockwerke in das Großraumbüro meines arbeitgebenden Start Ups erklommen, heute wohl zum vorerst letzten mal. Zwischen dem Tag einer großen Entscheidung und meinem letzten Tag hier, lag gerade mal ein Monat.
Auf die Frage was ich denn jetzt so machen würde, gab es eine ganze Reihe unaufregender Dinge. „Einen Steuerberater finden. Zum Gewerbeamt gehen. Zum Finanzamt gehen. Formulare ausfüllen die ich nicht verstehe. Briefe schreiben. Eine Geschäftsausstattung anlegen. Pläne machen. To Do Listen abhaken. Früh aufstehen und spät ins Bett gehen. Kunden akquirieren. Werbung machen. E-Mails schreiben. Ein Portfolio online stellen. Soziale Netzwerke mit Arbeit füllen. Bücher lesen. Weiterbilden. Grafik Sachen machen. Geld verdienen?“
Vielleicht hätte ich mehr Anerkennung geerntet, hätte ich wahrheitsgemäß genau so und sehr schnell sprechend geantwortet. Stattdessen verkündete ich kurz, ich würde jetzt als Freiberuflerin arbeiten und erntete stets ein freundliches, aber mitleidiges Lächeln, ein kurzes Nicken und ein „Ah ja“ oder schlimmer noch ein „Hm. Ach so.“ Und ungesagt aber doch gefühlt kam dahinter stets: „Schade, ich dachte aus dir würde was werden.“
Auch familiär stieß meine große Entscheidung mehr auf Mitleid denn auf Anerkennung. Mein Opa klang besorgt und riet mir, mich schnellstmöglich nach etwas neuem umzusehen. „Dann wünsche ich dir mal viel Glück bei der Jobsuche! Hoffentlich hast du bald was!“ Und wenn es jemand besonders gut mit mir meinte, betitelte er meine Pläne zumindest als „spannend.“
Tatsächlich ereilte mich die erste berufliche Krise auch gleich am zweiten Tag meiner Freiberuflichkeit, nach einem langwierigen Besuch auf unterschiedlichsten Ämtern. Ich sah kurz alle „Hm, ach so’s“ vor mir aufblitzen und fühlte mich erschlagen von den abertausenden ungewissen Dingen, die vor mir lagen. Das selbständig machen hatte ich mir zugegebenermaßen deutlich glamouröser vorgestellt. – Würden die Achso-Sager am Ende doch Recht behalten?
Tatsächlich ereilte mich die erste berufliche Krise auch gleich am zweiten Tag meiner Freiberuflichkeit, nach einem langwierigen Besuch auf unterschiedlichsten Ämtern. Ich sah kurz alle „Hm, ach so’s“ vor mir aufblitzen und fühlte mich erschlagen von den abertausenden ungewissen Dingen, die vor mir lagen. Das selbständig machen hatte ich mir zugegebenermaßen deutlich glamouröser vorgestellt. – Würden die Achso-Sager am Ende doch Recht behalten?
Rund zwei Monate später sah die Sachlage anders aus und den Achso-Sagern begegnete ich digital oder persönlich zum größten Teil wieder. Offensichtlich war ich noch nicht verhungert, lebte nicht unter einer Brücke und machte auch sonst einen recht stabilen psychischen Eindruck. Während ich die Kommentare zu meiner Selbstständigkeit zuvor für ihre Enttäuschung an meiner Person gehalten hatte, wurde mir in den nun folgenden Gesprächen einiges klar.
„Und, wie läufts so?“
„Also, ich habe natürlich gerade erst angefangen, aber ich bin sehr zufrieden. Es funktioniert viel besser als gedacht!“
„Ja?“
„Und, wie läufts so?“
„Also, ich habe natürlich gerade erst angefangen, aber ich bin sehr zufrieden. Es funktioniert viel besser als gedacht!“
„Ja?“
Enttäuschung kam erst so richtig in diesem „Ja?“ auf. Verdammt. Da hatte es doch tatsächlich jemand aus der Berufstätigensklaverei irgendwie in die Selbstständigkeit geschafft, wie, das wusste man auch nicht so richtig. Aber man besann sich schnell. Man lächelte affektiert und nickte. Und wieder ungesagt aber nicht unbemerkt, folgte zynisches Mitleid: „Tja, mal sehen wie lange noch.“
Ich verstehe vollkommen, dass nicht jeder für die Selbstständigkeit gemacht ist und nicht jeder so gute Rahmenbedingungen hat, wie ich sie hatte. Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre der Schritt deutlich schwerer gewesen.
Offensichtlich braucht auch nicht jeder berufliche Erfüllung und auch das ist völlig in Ordnung. – Aber die eigenen Ängste auf andere zu projizieren, die Entscheidungen treffen zu denen man selbst nicht in der Lage wäre, ist eine irgendwie traurige Sache – und nimmt den Mutigen den Wind aus den Segeln.
Und deshalb lade ich alle Achso-Sager gerne zu meinem 1-jährigen Firmenjubiläum ein, wenn es soweit ist und spendiere Champagner, Trüffel und Kaviar. Viele Dinge wären nämlich leichter, wenn uns andere Leute nicht sagen würden, das wir sie nicht könnten.
Offensichtlich braucht auch nicht jeder berufliche Erfüllung und auch das ist völlig in Ordnung. – Aber die eigenen Ängste auf andere zu projizieren, die Entscheidungen treffen zu denen man selbst nicht in der Lage wäre, ist eine irgendwie traurige Sache – und nimmt den Mutigen den Wind aus den Segeln.
Und deshalb lade ich alle Achso-Sager gerne zu meinem 1-jährigen Firmenjubiläum ein, wenn es soweit ist und spendiere Champagner, Trüffel und Kaviar. Viele Dinge wären nämlich leichter, wenn uns andere Leute nicht sagen würden, das wir sie nicht könnten.
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