Vergangenen Freitag habe ich die Bloggerkonferenz Rock The Blog auf der CeBit besucht und bin vor allem mit einem Gefühl nach Hause gegangen: Wir alle tragen eine Verantwortung für unser geliebtes Internet.
Sie waren schon von weitem zu erkennen: Die Modevictims und Foodblogger, die sich unter das sonst eher schwarz-in-schwarze Anzugpublikum der CeBit gemischt hatten. Auf der Rock The Blog Bloggerkonferenz in Hannover, die dieses Jahr ihr Debüt feierte, gaben sich Erfolgsblogger, Neugierige und Szenekenner die Klinke in die Hand – beziehungsweise, das Mikrofon weiter.
Gleich zu Beginn machte eine Podiumsdiskussion klar, wo in der Businessbloggerszene der Hase begraben liegt. Da quatschten sich Tchibo-, Ritter Sport und Daimler Blogzuständige über den Erfolg ihrer Artikel aus, doch bei der Frage des Moderators, wie viele der rund 200 Zuhörenden denn in den letzten 7 Tagen einen der drei Blogs besucht und gelesen hätten, reckten sich nicht mehr als drei Hände.
Weil langweilig, einfach langweilig ist.
Genau das macht es den Bloggern ja auch so schwer: Richtig guten Inhalt liefern, regelmäßig und langfristig, das ist kein Zuckerschlecken. So war die Kernaussage der Bloggerkonferenz in nahezu jeder Session: “Liefert relevanten Content mit Mehrwert!”
Der in der Szene mehr als bekannte Marketingguru Vladislav Melnik vom Affenblog gab sich ebenfalls die Ehre und erklärte, wie man mit dem eigenen Blog Dienstleistungen und Produkte verkauft. Und auch andere junge Gesichter plauderten aus dem Nähkästchen über den eigenen Erfolg, etwa Instagrammerin Rebecca Heigl, die sich mit ihrem Instagramaccount und Firmenkooperationen ein stolzes Zubrot verdient.
Vielleicht lag es am Debüt der Konferenz, dass die Qualität der Speaker und Vorträge so unterschiedlich war. Wer jedoch bleibenden positiven Eindruck bei mir hinterlies, vor allem deshalb weil er sich mit einem unpopulären Thema schmückte, war Sven Wiesner.
Blogger haben meist eine unschöne Eigenschaft an sich: Sie teilen ungern Erfolg und haben sie es erst einmal nach oben geschafft, benehmen sie sich wie gekrönte Platzhirsche. Im Laufe des Konferenztages schnappte ich in einer Session die Bitte auf “Verlinkt doch mal mehr Leute in euren Artikeln!” aber das war es dann auch mit sozialen Gedanken beim bloggen.
Vom Blogger zum Lobbyisten
Sven Wiesner hingegen brach eine Lanze für Verantwortung und den Sozialgedanken bei Bloggern (und allen anderen Internetnutzern). Einst über Jahre hinweg selbst erfolgreicher Blogger der ersten Stunde, ließ er sich von Firmen Reisen in die ganze Welt finanzieren, fuhr auf ihre Kosten Ferrari oder relaxte in den feinsten Wellnesshotels mit Freunden. Doch irgendwann ging ihm auf, dass er zum Spielball der Unternehmen wurde, sich wie ein Lobbyist benahm und seine Leser um die eigene ehrliche Meinung betrog, in dem er die Firmengeschenke als meinungsmachende Bestechung annahm.
Heute ist Sven Wiesner kein Blogger mehr, sondern erfolgreicher Mediaagentur-Chef mit einem Herzenswunsch: Mehr Verantwortungsbewusstsein für die meinungsbildende Macht und den Einfluss, den Blogger gerade auf junge Zielgruppen haben. Und vielleicht könnte man die Aufmerksamkeit und das Geld das man als Blogger wert ist, auch einfach mal in etwas gutes investieren. – Schon mal drüber nachgedacht?
Sven Wiesner hat für mich angesprochen, was mich schon seit geraumer Zeit verfolgt und nervt: Die unzähligen Ratgeber-Blogs zum Thema Marketing und Bloggen zum Beispiel, die nie halten was ihre Überschriften versprechen. Die tollen kostenlosen E-Books die man überall gegen E-Mailangabe runterladen soll und die mir ja doch nichts neues erzählen oder die Vlogger, die teure, ungesunde, an Tieren getestete Kosmetika in die Kamera halten und mir sagen, dass ich ohne dieses Make Up nicht weiterleben kann.
Machen wir das Internet schöner!
Der Internet ist nicht nur kein rechtsfreier Raum, sondern auch keine ethische- oder soziale Abstellkammer, in der man gutes Benehmen und wichtige Werte einfach ausschalten darf. Unser geliebtes World Wide Web vergisst nichts und ich bin ganz Sven Wiesners Meinung: Es ist an der Zeit das wir überdenken, womit wir unser Internet füllen und wie käuflich das wichtigste an uns ist, unsere freie Meinung.
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