Bianca Schillers Lachen hört man schon von weitem und irgendwie ist es bezeichnend: Durchdringend, warm und ehrlich. Und sie lacht oft! Kaum vorzustellen, dass diese durch und durch lebensfrohe Person irgendwann einmal unzufrieden, gar totunglücklich war. Doch wie viele andere vor ihr auch, brauchte es ein halbes berufliches Leben bis sie erkannte, was eigentlich schief läuft und vor allem, dass sie etwas dagegen tun kann.
„Ich habe Anfang der 1980er Jahre eine ganz klassische Ausbildung als Rechtsanwalts- und Notariatsgehilfin absolviert.“ Denn das Vorstellungsgespräch zur Feingerätemechanikerin verbockte sie mit der Antwort auf die Frage, was ihre Hobbys seien. „Lesen“, antwortet sie im jungen Alter von 16 Jahren spontan, weil das irgendwie schlau klang. Auf die Nachfrage was sie denn lesen würde, fielen ihr jedoch nur die Pferdebücher der Freundinnen ein. Aus dieser Karriere sollte einfach nichts werden.
Auch der Wunschtraum der Meeresbiologin oder Fotolaborantin erfüllte sich nicht, doch der Platz der Rechtsanwalts- und Notariatsgehilfin tat sich auf und Bianca Schiller ergriff die Chance. „Ich hatte eher Lust irgendwas Spannendes zu machen. Von Bürojobs hatte ich eine ganz abstruse Vorstellung, das Sekretärinnendasein war ein absoluter Alptraum für mich.“
Bianca heute – in ihrem Traumjob.
Ein Tiefpunkt ist immer auch ein Wendepunkt
Doch nach der bestandenen Ausbildung ließ es sich nicht vermeiden, Bianca Schiller landete in einem Immobilienunternehmen und saß fortan an der Schreibmaschine. Ihr Lebenslauf umfasst bis heute drei Seiten und liest sich wie ein Spießroutenlauf durch Steuerabteilungen, Sekretärinnennjobs und Buchhaltungsaufgaben. Besonders lang blieb sie eher selten, die Langeweile ereilte sie schnell und eines Tages verschlug es sie beruflich nach Prag, wo sie für vier Monate in einem Hostel als Managerin arbeitete. „Beruflich gesehen die schlimmste Zeit meines Lebens, aber trotzdem das Beste was mir passieren konnte. Die Stimmung im Job war schlecht, der Druck hoch. Und dann traf mich die leuchtende Erkenntnis: Ich muss das gar nicht machen! Ich konnte einfach kündigen! Und genau das habe ich gemacht. Ich bin relativ schnell wieder zurück nach Berlin und habe mir dann bewusst eine „arbeitslose“ Auszeit genommen.“
Mit Mitte 30 in die WG
Bei ihrem Weggang aus der deutschen Hauptstadt hatte Bianca Schiller alles aufgelöst, gekündigt, abgegeben. Nun stand sie ohne Job und ohne Wohnung in der alten Heimat da und überdachte ihr Leben erstmals neu. Den vorgegebenen Weg ihrer Generation stellte sie in Frage und entschied sich einfach gegen den Trampelpfad der anderen.
Sie zog in eine WG und machte sich mit dem Bau von Pinatas selbstständig. „Das war eine schöne Zeit, weil ich endlich mal etwas Kreatives machen konnte, etwas mit meinen Händen erschaffen durfte. Aber nach einem Jahr wurde klar, so richtig gut davon leben können würde ich nicht. Also machte ich mich in meinem gelernten und bisher ausgeübten Beruf selbstständig und arbeitete auch weiterhin in Büros. Aber ich wusste, um glücklich zu werden musste ich einfach etwas anders machen und das war der erste Schritt. Ich versuchte zu sehen, wer ich eigentlich wirklich bin.“
Der Berufung auf der Spur
Schon zu dieser Zeit widmete sich Bianca Schiller ehrenamtlich der Sozialarbeit zu, im Hospiz, als Einzelfallhelferin oder Familienbegleitung. Doch beruflich rückte diese Leidenschaft noch nicht in ihren Fokus.
„Im Jahr 2010 brach mir einer meiner größten Kunden weg und zog mich beinah mit in die Insolvenz. Das war ein Moment in dem ich innehielt und dachte, jetzt verändere ich noch mal meinen Fokus und schau mir an, was es eigentlich sonst noch so gibt.“ Und es gab so einiges! Für Bianca Schiller fühlte sich die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie direkt richtig an, in Hinblick auf Ihre Erfahrungen in der sozialen Arbeit und ihr eigenes Wesen, das den Menschen schon immer sehr zugetan gewesen war. Sie stemmte die „Büro-Selbstständigkeit“ und die Ausbildung gleichzeitig und hängte noch weitere Kurse und Seminare an. „Ich war kurzfristig sehr stolz und schwebte und dachte: Yeah! Ich eröffnete meine eigene Praxis und dann saß ich da. Natürlich rannte mir niemand die Bude ein und ich fragte mich das erste Mal, was bildest du dir eigentlich ein, so ohne Studium und jahrelanger Ausbildung?“
Der Kampf gegen die inneren Barrieren
„Ich musste meine eigenen Qualitäten erst mal erkennen. Ich habe vielleicht nicht studiert, aber ich habe Lebenserfahrung, habe viel gemacht, kenne viele Menschen – das kann ich nach außen bringen. Als ich das erkannt habe, fing meine Praxis an auch wirklich zu funktionieren. Doch ich musste für mich selbst erst mal sehen können, was ich neben der Ausbildung zu bieten habe.“
Doch noch immer balancierte Bianca Schiller die Selbstständigkeit im Büro zwischen Steuern und Zahlen mit der eigenen Praxis und dem sozialen Engagement in Familien. Ende 2014 entschloss sie sich dann, das letzte vermeintlich sichere Standbein aufzugeben und sich der wahren Berufung, der Arbeit mit Menschen, einfach voll und ganz hinzugeben, in ihrer Praxis und als hauptberufliche Einzelfallhelferin.
Und seitdem läuft es wie am Schnürchen. „Das Gefühl nie mehr ins Büro zusammen, ist einfach fantastisch!“
Der Schlüssel zum Selbstständigkeitserfolg
Wie eingangs schon erwähnt, Bianca Schiller gehört zu den fröhlichsten Menschen die ich kenne und selbst angedeutete Selbstzweifel klingeln bei ihr noch gut gelaunt. „Gab es die eigentlich nie?“, frage ich. „Nein, eigentlich nicht. Ich habe großes Vertrauen darin, dass sich alles schon irgendwie fügen wird. Man muss eben eine Tür auch wirklich zu machen, damit sich eine andere öffnen kann. Und manchmal öffnet sie sich nicht ganz, manchmal kann man nur durch einen Spalt blicken und dann muss man die Gelegenheit ergreifen und sie eben selber ganz aufmachen.“
Für Bianca Schiller steht fest: Selbstständig werden kann jeder, der Mut, Ausdauer und Flexibilität mitbringt. „Ich habe einige Jahre gebraucht um meinen Weg und meinen jetzigen Job zu finden, es ist eben eine Entwicklung. Wenn man zu starr an der ursprünglichen Idee festhält, verliert man jede Offenheit.“ Dabei ist der schwierigste Schritt natürlich der Erste. „Man muss den ja auch nicht ohne jede Angst gehen: Man kann ja auch einfach die Augen zu machen und springen!“
Liebe Bianca, vielen Dank für das spannende Gespräch. Ich bin froh, dass es in unserer „Sozialarbeitswelt“ noch Menschen gibt, die das mit so viel Herz und Liebe machen und wünsche dir für deine Praxis Coachingnest und alle anderen deiner Projekte ganz ganz viel Erfolg. Wer sich mit ihr vernetzen will, checkt am besten mal Bianca Schiller auf XING aus, oder besucht die Coachingnest Facebookseite. Ich würde Bianca für jede Lebenslage von Herzen empfehlen!
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