Vor einigen Wochen berichtete ich in meinem Artikel “Ein Zuhause für den deutschen Genrefilm” über die Crowdunfingaktion rund um das berliner Filmfestival GENRENALE. Wie sie ausgegangen ist, wie es weitergeht und mit welchem Film sich die beiden Iniatoren selbst charakterisieren würden, darüber habe ich mit Ihnen in einem Interview gesprochen.
Lieber Krystof, lieber Paul – die Crowdfunding Kampagne ist geglückt und am Ende ging alles irgendwie ganz schnell, dabei sah es zwischenzeitlich doch etwas schwieriger aus die angesetzte Summe von 5.000€ zu erreichen. Hattet ihr ernste Zweifel an einem Happy End des Crowdfundings?
Paul Andexel: Hallo Tamara, vielen Dank für die Gelegenheit, ein Interview mit dir zu führen.
Der Ausgang des Crowdfundings war für uns von Anfang an alles andere als sicher. Wir wussten nicht, ob sich genug Supporter finden oder überhaupt das Interesse an so einem Festival groß genug ist. Schließlich arbeiten wir ja genau gegen diese “Nichtunterstützung” und “Nichtbeachtung” des deutschen Genrefilms an, also hätte es dem Crowdfunding genauso gehen können. Es war somit ein Risiko damit überhaupt in die Öffentlichkeit zu gehen, da ein Nichtgelingen eher dafür gesprochen hätte, dass das Festival gar keine Zukunft hat. Am Anfang sah es dann ziemlich gut aus mit der Unterstützung doch die Weihnachtstage und der Jahreswechsel haben sie fast zum Erliegen gebracht. Da haben wir dann gar nicht mehr damit gerechnet, den Betrag noch voll zu kriegen. Umso erleichterter waren wir, als es dann tatsächlich noch geklappt hat.
Fast 1.000€ mehr als gewünscht sind beim Crowdfunding zusammengekommen. Werdet ihr den Überschuss für etwas Besonderes einsetzen, oder fließt er ebenfalls in Marketing- und Werbekampagnen?
Paul Andexel: Das Crowdfunding sollte von Anfang an nur einen Teil der Finanzierung darstellen. Insgesamt versuchen wir bei Sponsoren und Unterstützern aus der Branche knapp 25.000 Euro zusammenzukommen, was für ein Filmfestival, wie wir es vorhaben, immer noch bescheiden ist. Deswegen kommt uns der Überschuss beim Crowdfunding dort zugute, wo wir womöglich keinen Sponsor mehr gefunden haben und man kann gar nicht genau sagen, in welchen Bereich jetzt diese 1.000 Euro gehen. Fakt ist, dass wir das Festival in den 2 Tagen tatsächlich so groß wie möglich machen und mit dem Programm an beiden Tagen schon um 11.00 Uhr beginnen. Damit hätten wir vor dem Crowdfunding und der Finanzierung gar nicht gerechnet, bzw. es war tatsächlich nicht sicher.
Was waren die für euch verblüffendsten Erkenntnisse und Erfahrungen im Zuge des Crowdfundings? „Wenn ihr alles noch einmal machen könntet“, würdet ihr dann alles genau so tun?
Paul Andexel: Schwierig einzuschätzen ist immer, wie viel man eigentlich fürs Crowdfunding ansetzen soll. Ist es zu viel, dann erreicht man den Endbetrag womöglich nicht. Ist es zu wenig, dann ist der Betrag schnell voll und man nutzt womöglich das Potential nicht aus, da die Motivation zu spenden, wenn der Zielbeitrag erreicht ist, nicht mehr so hoch sind. Wir haben wohl ganz gut geschätzt, was möglich ist.
Der späte Start des Crowdfundings und die Laufzeit über Weihnachten waren dabei aber wohl eher unglücklich, da die Aufmerksamkeit der Leute in der Zeit natürlich auf anderen Sachen war. Somit hätten wir das Crowdfunding womöglich eher einen Monat früher starten sollen.
Andererseits ist das immer schwer zu sagen, und der Erfolg des Fundings hängt letztendlich gar nicht von so großen “Crowds” ab, sondern von Einzelpersonen. 96 Leute haben gespendet, davon einige persönliche Freunde von uns. Da macht jeder, der sich dafür entscheidet, einen großen Unterschied, also geht es am Ende immer darum, dass die Leute einem grundsätzlich wohlgesonnen sind.
Die Genrenale kann dieses Jahr nun in vollem Umfang stattfinden. Welche Neuerungen und Visionen habt ihr für die Genrenale 2016? Wird es wieder ein Crowdfunding geben?
Krystof Zlatnik: Idealerweise schaffen wir es, das Budget für 2016 rein mit Sponsorings zusammenzubringen. Unsere Hoffnung ist, dass wir dieses Jahr unsere Reichweite noch mal vergrößern können und so eben auch Attraktiver für Sponsoren werden. Zum Beispiel ist unser Hauptsponsor TELE5 auch interessiert daran nächstes Jahr wieder mit uns zusammenzuarbeiten. Somit wäre unser Ziel, dass möglichst kein Crowdfunding nötig ist.
Was es ansonsten für Neuerungen gibt? Wir haben einige Ideen, was wir das Jahr über für Aktionen machen können, wie zb. Special Screenings, Podcasts, Interviews, etc. Aber wie die GENRENALE4 aussehen könnte ist dabei noch offen. Entscheidend ist erst mal, ob die GENRENALE3 beim Publikum gut ankommt und das Interesse für unser Festival groß genug ist, dass zwei ganze Tage Programm gerechtfertigt sind!
Auf welchen Moment der Genrenale 2015 freut ihr euch besonders?
Krystof Zlatnik: Toll ist, wenn das Kino dann tatsächlich gefüllt ist, alle in der Lobby versammelt sind und den jeweils nächsten Film oder Filmblock erwarten. Die Erwartung, die Gespräche zwischen Filmemachern und Gästen, Schauspielern, Journalisten, Genrefans, das Wiederentdecken von guten Freunden, die gekommen sind – diese aufgeladene Atmosphäre macht den Moment besonders. Wenn man merkt, dass nach Monaten, in denen man auf diese beiden Tage zugearbeitet hat, die Leute tatsächlich gekommen sind, sich freuen, dabei zu sein und gespannt das Programm erwarten.
Leider hat man als Festivalorganisator gar nicht viel Zeit für diese Momente, trotzdem bleiben sie stark in der Erinnerung. Außerdem freuen wir uns diesmal auf die Party, die wir zum ersten Mal schmeißen werden und haben grundsätzlich drauf geachtet, dass die Zeit zwischen den Filmblöcken länger ist und so mehr Raum für Austausch vor und nach den Filmen geboten wird. Denn genau von diesem Austausch, der bei uns viel offener und unpretentiöser ist, als bei etablierten Festivals, lebt die GENRENALE.
Für alle, die noch nicht überzeugt davon sind, die Genrenale am 11. – 12. Februar zu besuchen: Drei Totschlagargumente in aller Kürze?
Paul Andexel:
- Deutscher Film, wie man ihn ganz bestimmt noch nie gesehen hat!
- Die Filme bieten eine riesen Abwechslung, mit Sci-Fi, Film Noir, Spannung, Horror oder Fantasy. Langweile kann da eigentlich gar nicht aufkommen! Durch euer Kommen unterstützt ihr auch noch diese Vielfalt und setzt ein Zeichen!
- Filmemacher und Schauspieler hautnah – vor den Filmen, nach den Filmen, beim Pitching, der Podiumsdiskussion oder der Party!
Die Tickets kann man ab jetzt online erwerben, oder am Kino (Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin). Kurzfilmblocks, die “GENRENALE SHOTS” kosten dabei 7€ und Langfilme 8€. Für Sparfüchse und Vielschauer gibt es dazu Tagespässe (Mi für 30€, Do für 22€) oder den Festivalpass (45€).
Zum Schluss eine Frage, die ihr einzeln beantworten dürft und sollt: Wenn ihr euch selbst in einem deutschen Genrefilm beschreiben müsstet, welcher wäre das?
Krystof Zlatnik: Haha, was für eine witzige Frage!
Das Problem dabei ist, dass es ja gar nicht so viele deutsche Genrefilme in der Vergangenheit gab, so dass es gar nicht so leicht ist, da einen richtigen zu finden.
Deshalb versuchen wir es doch einfach mal mit den Filmen des GENRENALE3-Programms:
– Paul: Ich könnte der FIRST PERSON SHOOTER sein, da ich derjenige bin, der erst mal voranstürmt, Leute anhaut, mal pöbelt, Dinge möglich macht und dort hingeht, wo sich sonst keiner traut.
– Krys: Dann bin ich der HARD BOILED COP, da ich die Scherben wieder aufsammele, kritisch überprüfe ob alles seine Richtigkeit hat und auf gute Beziehungen mit allen bedacht bin.
Danke Jungs! Euch und allen Besuchern eine sensationelle Genrenale! Los gehts ab morgen. Yeah.enrena
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