Ich gebe es zu: Ich bin gar nicht so schön wie ich aussehe. Ich habe Falten und Pickel und ausgeblichene Haare und mache “Pressefotos” grundsätzlich im Wohnzimmer bei schlechtem Licht. Wie daraus trotzdem etwas wird, zeige ich in diesem kompakten Tutorial zum Thema Bildbearbeitung. Ein retuschemäßiger Rundumschlag!
Technische Voraussetzungen
Ich arbeite mit Adobe Photoshop CS 5.5 und du solltest für das genaue Nachbasteln diesen Tutorials ebenfalls Photoshop benutzen. Nichtsdestotrotz ist eine Retusche dieser und ähnlicher Art auch in kostenlosen Programmen wie GIMP möglich.
1. Formatbearbeitung
Ich beginne zunächst mit der Auswahl des richtigen Formats, damit ich nicht überflüssige Retusche für Bildteile vornehmen muss, die im Endergebnis ohnehin nicht mehr zu sehen sind. In meinem Fall habe ich mich für ein quadratisches Format entschieden, aus folgendem Grund: In vielen sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram etc. werden Fotos quadratisch angezeigt. Entscheidet man sich für ein anderes Format, könnten wichtige Bildteile abgeschnitten werden.
Um dein Format zu bearbeiten, klicke das Auswahlrechteck in deiner Werkzeugpalette an und zieh deinen gewünschten Bildausschnitt auf. Anschließend kannst du über den Reiter Bild -> Freistellen deine Auswahl ausschneiden.
2. Farbbearbeitung
Farbtechnisch ist das Originalbild eine Katastrophe. Wir widmen uns deshalb erstmal dem aufhellen und dem Farbausgleich.
Erstelle zunächst eine Kopie deiner Hintergrundebene, indem du im Ebenenfenster auf die Ebene “Hintergrund” klickst, und dann auf deiner Tastatur STRG + J. Klicke auf die neu erstellte Ebene “Ebene 1” und erstelle auf ihr eine Füll- und Einstellungsebene. Den Button dazu findest du am Ende deiner Ebenenpalette.
Hier hast du nun eine Vielzahl an unterschiedlichen Einstellungsebenen die du benutzen kannst um Helligkeit und Farben zu ändern. Ich habe Helligkeit/Kontrast, Gradationskurven, Belichtung, Farbton/Sättigung und Farbbalance verwendet. Welche Werte hier eingestellt werden müssen ist von Bild zu Bild unterschiedlich und muss individiuell entschieden werden. Probier einfach mit den Reglern rum!
3. Hintergrund
Leider ist das weiße Stück Wand zu kurz für ein Foto, das von schräg oben gemacht wird. So sieht man am rechten Bildrand dunkle Schatten anderer nichtbeleuchteter Wände. Das entfernen wir jetzt.
Zunächst erstelle ich mir aus den ganzen bisher erstellten ebenen eine neue zusammengefügte Ebene. Alle Ebenen markieren indem du sie anklickst und gleichzeitig die Shift-Taste gedrückt hältst und dann die Tastenkombination ALT + SHIFT + STRG + E drücken. Es entsteht ganz oben eine neue Ebene. Diese Ebene nenne ich der Übersicht halber Version 2.
Auf Version 2 erstelle ich nun mit dem Auswahlrechteck kurz vor Beginn des Schattens eine Auswahl und drücke STRG + J. Meine Auswahl erscheint jetzt als neue Ebene ganz oben. Ich klicke auf diese Ebene, drücke STRG + T um die Ebene zu bearbeiten und ziehe sie an den kleinen Punkten nach rechts. So “verlängert” sich dieser Bildausschnitt und verdeckt den hässlichen schwarzen Rand, ohne dass ein Übergang zu sehen ist. Diese Methode funktioniert natürlich nur bei einfarbigen Hintergründen.
4. Gesicht
Jetzt zu den traurigen aber wahren Dingen: Falten und Pickel. Um die zu entfernen, wähle den Bereichsreparatur-Pinsel aus der Werkzeugleiste und stelle eine kleine, runde Pinselspitze ein. Nun werden alle Pickel, Falten, komische Punkte, nervige Leberflecke und sonstige Hautunreinheiten angeklickt – und verschwinden. Wenn es nur im wahren Leben auch so wäre!
Um ein noch feineres Hautbild zu erzeugen, so wie wir das von Zeitschriftencover kennen, ist jedoch etwas mehr Arbeit notwendig.
Zunächst erstellst du wie schon in Punkt 3 eine neue Ebene, die alle bisher erstellten Ebenen enthält, mit der Tastenkombination ALT + SHIFT + STRG + E. Diese nennst du “VERSION 4.” Du wiederholst den Vorgang und nennst die neue Ebene “Weichzeichnung.”
Klick deine Ebene Weichzeichnung an, dann auf den Reiter Filter -> Weichzeichnungsfilter -> Gaußscher Weichzeichner. Stelle hier den Radius ein. Je höher der Radius, desto verwaschener das Bild und desto weicher der Hautlook. Ich habe einen Wert von 3,8 verwendet.
Nun wird zunächst dein gesamtes Bild verschwommen aussehen, das ist natürlich nicht das Ziel. Das weiche Aussehen soll nur für die Haut im Gesicht gelten, also treffen wir genau dafür eine Auswahl.
Dazu stellst du deine Vorder- und Hintergrundfarbe in der Werkzeugleiste auf Schwarz/Weiß und klickst anschließend auf den Maskierungsmodus . Jetzt malst du mit einem weichen Pinsel und 100% Deckkraft alle Stellen im Gesicht aus, die weichgezeichnet werden sollen. Deine Auswahl erscheint in dunkelrot (siehe Bild 2.)
Bist du mit deiner Auswahl zufrieden, klicke erneut auf das Maskierungssymbol. Deine Auswahl wird jetzt in einer gestrichelten Linie dargestellt. Rechtsklick mit dem Auswahlrechteck in deine Auswahl -> Auswahl umkehren.
Fast geschafft! Vergewissere dich, dass du auf der Ebene “Weichzeichnung” gearbeitet hast, dann klicke im Ebenenfester unten auf Vektormaske hinzufügen. Nun sollte der zuvor rot makierte Bereich weichgezeichnet sein, der Rest des Bildes scharf.
5. Haarfarbe
Ok, ich gebe zu, dieser Punkt wird wohl nicht bei jedem wichtig werden, bei mir ist er es aber häufiger: Ausgeblichene Haarfarbe und dunkle Ansätze sind mies, erst recht wenn man seine Haarfarbe zur Corporate Identity erklärt hat. Deshalb möchte ich zur original-frisch-gefärbt-Nuance zurück.
Dazu wähle ich mit dem Lasso-Tool grob die Haare aus, anschließend rechtsklick in meine Auswahl, Weiche Kante -> 10px. So kommst du scharfen Kanten und harten Übergängen zuvor. Anschließend erstelle ich wie in Schritt 2 eine neue Füll- und Einstellungsebene (Farbton / Sättigung) und erhöhe die Sättigung. Tadaaa: 1 Stunde Arbeit und viele Euros gespart. Und sieht aus wie frisch gefärbt!
6. Schatten
In meinem Bild gibt es viele Schatten und auch im gesamten ist es recht dunkel. Diese Stellen sollen aufgehellt werden.
Dazu den Abwedler in der Werkzeugleiste auswählen, oben in der Leiste “Tiefen”, “Mitteltöne” oder “Lichter” einstellen, je nach dem welche Teile des Bildes du erhellen möchtest und anschließend mit einem weichen Pinsel und geringer Deckkraft sorgfältig über die Bildstellen malen. So kannst du auch den Schatten im Hintergrund ausbessern.
Fazit
Leider lässt sich für die Bildretusche nie eine 1-zu-1 Anleitung schreiben, denn jedes Bild hat seine eigenen Macken oder Problemstellen und muss ganz individuell optimiert werden. Ein Gefühl dafür, was wo wie nötig ist und vor allem, wie es umgesetzt wird, kommt einfach nur mit der Zeit und viel Erfahrung. Natürlich ist über diese Beispiele hinaus auch noch viel mehr möglich!
Ich hoffe , dass ihr aus diesem Crashkurs Bildbearbeitung etwas mitnehmen könnt – und stehe für Fragen und Praxistipps gern zur Verfügung!
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