Mehrere hundert oder gar tausende Euro für ein Logo zu bezahlen ist mehr als üblich. Kunden stürtzt das in Vertrauenskrisen gegenüber der Gestaltungsbranche. Wofür man bei einem Logo eigentlich bezahlt und wie der Entstehungsprozess aussehen kann, das möchte ich in diesem Artikel zeigen. Dann tut das Bezahlen eines Logos auch viel weniger weh, versprochen!
1. Wer ist mein Kunde?
In diesem Fall kenne ich meine Kundin Carolin von Caros Küche schon im Vorfeld sehr gut, denn vor einigen Monaten noch saßen wir nur einen Platz voneinander entfernt im gleichen Büro. Auch Ihren Blog kannte ich bereits und wusste deshalb, was mich erwartet.
Natürlich ist so eine Konstellation ein Vorteil, denn so konnte ich Carolin als Mensch und Ihren Geschmack schon etwas besser einschätzen, als einen völlig neuen und fremden Kunden. Nichtsdestotrotz ging ich bei diesem Auftrag, der Logoerstellung für einen Food- und Küchenblog, genau so vor wie bei jedem anderen Kunden: Professionell!
Wichtig ist, sich schon vorab mit dem Kunden auseinanderzusetzen und vorbereitet in ein Gespräch zu gehen. Um wen geht es? Wie sehen vorhandene Webpräsenzen aus? Gibt es bereits Werbematerialien und wenn ja, wie sind sie designt? Was kann ich über das Unternehmen oder das Produkt in Erfahrung bringen? – Je besser man als Designer informiert ist, desto erfolgreicher und konstruktiver kann ein Gespräch mit dem Kunden werden.
2. Briefing
Es ist der Grundstein für eine gute Zusammenarbeit und ein tolles Ergebnis: Das Briefing. In einem Gastartikel auf smartxdesign „Wie briefe ich einen Grafiker richtig?“ habe ich ausführlich darüber geschrieben. Hier noch einmal in Kürze die Dinge, die in einem Briefing enthalten sein sollten:
- Was soll designt werden? (Logo, Flyer, Katalog?)
- Wer ist die Zielgruppe?
- Was soll mit dem Werbemittel bezweckt werden?
- Technische Vorgaben: (Größe, Reproduzierbarkeit, bei Printmaterialien Papier, Veredelung usw.)
- Farbvorgaben
- Schriftvorgaben
- Stil
- Bildsprache (welche Symbolik, was für eine Art von Fotos)
- Bereits festgesetzte / vorhandene Materialien (z.B. Name, Slogan, Farben, Schriften)
- Beispiele (von Logos / Grafiken die dir gefallen)
- Ggfs. eigene Skizzen
- Budget und Zeitplan
Bei großen Aufträgen hält man das ganze auch als Kunde am besten schon vorbereitend schriftlich fest. In diesem Fall hatte ich ein persönliches Gespräch mit Carolin, in dem ich alles fragen und notieren konnte, was für meine Ideenfindung wichtig war.
3. Wie sieht die Szene aus?
Ich bin keine Spezialistin in Sachen Foodblogger, also begann ich erst mal mit der Recherche erfolgreicher Küchenblogs an. Man muss nicht machen was alle machen, aber um die Regeln zu brechen, muss man sie zunächst kennen.
Viel Weiß und wenig Farbe – das fiel schon mal auf. Allerdings ist das auch ein genereller Trend in der Internet- und Bloggerwelt und mit Trends muss man bei Logos immer vorsichtig sein. Im Idealfall begleitet das designte Logo den Kunden bis ans Ende seiner Geschäftstage und muss daher zeitlos daherkommen.
Ebenfalls häufig zu sehen: Retro-Optik und Vintage-Style, nicht das, was ich mit Caros Küche in Verbindung brachte. Klar war also, Farbe würde gut tun und auffallen, und etwas cleaneres Design der modernen Optik des Blogs besser entsprechen als die Retromasche.
4. Welche Symbolik könnte passen?
Carolin hatte keine wirklich konkrete Vorstellung davon, welches Symbol für Ihr Logo zum tragen kommen sollte. Nur eines war klar: Ihr Logo sollte auf jeden Fall aus einem Schriftzug (Caros Küche) und einem Bild bestehen. Der erste Schritt deshalb: Alles skizzieren und festhalten, was spontan mit Küche, Essen und einem Foodblog in Verbindung gebracht werden kann. Hier eine (kleine!) Auswahl:
5. Ausarbeitung einer Idee
Die Kochmütze war einer meiner Favoriten. Doch wie sieht die eigentlich aus? Und wie abstrakt darf sie sein, damit man sie noch erkennt? Welche Form ist am schönsten? Oder am gemütlichsten? Oder am edelsten?
6. Digitalisierung
Aus dem Sketchbook musste das ganze nun in den PC. Aus einer final ausgewählten Skizze entstand in Illustrator dann die erste Vektorgrafik. Natürlich optimiert, leicht verändert und in unterschiedlichen Versionen und Variationen. Der Clou am Logo machen: Man weiß nie, wann, wo und wie man den Logoentwurf entdeckt. Es ist ein Prozess mit schier unendlichen Möglichkeiten und je länger man daran arbeitet, desto mehr Ideen entstehen plötzlich. Deshalb ist das Logo machen vor allem ein ständiges ausprobieren, optimieren, umstürzen und neu machen.
7. Variationen vorstellen
Punkt 5 – 7 wiederholte ich noch mit zwei weiteren Ideen, bevor ich daraus ein Konzept zusammenzimmerte. Es gab also drei unterschiedliche Logoideen mit jeweils drei Variationen die sich durch Anordnung, Farben, Schrift und auch kleine Veränderungen in der Symbolik unterschieden.
Das es für viele Menschen schwer ist ein noch neues und fremdes Logo als ihr eigenes zu betrachten, ist es besser man zeigt es gleich in einem bekannten Umfeld. Hier: Direkt im Header von Carolins Blog. Das gibt ein viel besseres Gefühl dafür, ob man sich das Logo in den eigenen Projekten vorstellen kann oder eher nicht.
8. Farben, wir brauchen mehr Farben!
Carolins Favorit war bei diesem Symbol Nummer zwei, allerdings war sie sich bei der Farbe nicht sicher. Während die anderen Entwürfe eigentlich schon ausschieden, dieses hier aber immerhin sehr beliebt war, setzte ich mich eine kleine Farbpalette und schickte sie als nächstes Konzept hinterher.
9. Daten, mit denen jeder etwas anfangen kann
Carolin war eine vorbildliche Kundin und entschied sich schnell und ohne Zweifel für die „erste“ Farbe aus den Anfangsentwürfen. Andere Kunden verlangen viel mehr Korrekturen, Änderungen oder Variationen – hier jedoch fanden wir schnell eine Lösung mit der wir beide sehr glücklich waren.
Im Anschluss an die finale Entscheidung gibt es für den Grafiker vor allem eins zu tun: Daten für die weitere Nutzung bereitstellen. Als professioneller Grafiker stellt man neben Pixel- und Vektorgrafiken auch eine Datei zur Verfügung, die dem Kunden verrät welche Schriftart man benutzt und welchen Farben man eingesetzt hat.
Da man nie weiß, was mit dem Logo mal passieren wird und wo es abgedruckt bzw. dargestellt werden soll, ist eine Auswahl an unterschiedlichen Dateiformaten sinnvoll.
Der offizielle Preis
Der »AGD Vergütungstarifvertrag Design« (AGD = Allianz Deutscher Designer) gibt detailliert Auskunft für Freiberufler und Agenturen, wie angemessen abgerechnet werden darf. Der von der AGD berechnete Stundensatz liegt üblicherweise bei min. 75€, natürlich abhängig von Erfahrung, Ausbildung und einigen anderen Kriterien.
Für die Logoerstellung ergibt sich daraus folgender Kostenpunkt:
- Entwurfsphase
20 Stunden á Stundensatz 75,00€ = 1.500€ - Nutzungsrecht
Einfache, regionale Nutzung in geringem Umfang, auf ein Jahr beschränkt: Nutzungsfaktor von 0,5.
1.500 Euro x 0,5 = 750 Euro - Extraleistung
Beispielweise 6 Stunden pauschal für Reinzeichnung, Recherche und Besprechungen.
6 Stunden x 75 Euro = 450 Euro.
Summiert ergibt das 2.700€. Zusätzliche Kosten erstehen natürlich für die unbeschränkte Nutzungsgebühr, da du dein Logo sicher länger als nur für einen Zeitraum von einem Jahr verwenden möchtest.
Idee, Technik, Umsetzung, Zeit
Bei einem Logo bezahlt man nicht nur das kleine, schlichte, feine Endergebnis in einer Farbe. Man bezahlt einen langen Prozess der Vorbereitung, des Informationen sammelns, des kennenlernens. Stunden voller Entwürfe, Skizzen, Ideenfindung und Inspirationssammlungen. Konzepte voller Variationen, unterschiedlicher Farben, Formen und Schriften. Außerdem die technische, professionelle Umsetzung, das Fachwissen zur Logoentwicklung, eine kompetente Beratung, viel Zeit, kreative Leidenschaft und vor allem: eine gute Idee.
Das schlimmste daran: Hunderte oder gar tausende Zwischenschritte und verworfene Entwürfe wirst du gar nicht zu sehen kriegen, sondern nur die Creme de la Creme. Ein guter Grafiker wird jedoch nichts dagegen haben, dich in den Entstehungsprozess einzuweihen – und wer sieht, wie viel Zeit, Liebe und Arbeit in einem Logo steckt, sieht die Rechnung für „das kleine Ding“ dann doch mit anderen Augen.