Es ist vielleicht der ausgelutschteste Satz dieser Welt, nichtsdestotrotz ist er wahr: Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Hast du dich schon mal gefragt, was deine Unternehmensfotos über dich sagen? Und ob sie für oder gegen dich sprechen?
Für Bilder, die so viel mehr als Worte sagen, gibt es sogar eine wissenschaftliche Grundlage.
Man stelle sich allein einmal vor, wie viel Zeit es in Anspruch nehme würde, 1.000 Worte zu lesen oder zu hören. Eine ganze Weile! Bilder verarbeitet unser Gehirn 90.000 mal schneller als Text. (Studie: 3M Corporation, 2001) Lust auf ein Experiment, dass das am eigenen Leib beweist? Hier kommt es:
Bilder schaffen Vertrauen
Es ist jedoch nicht nur die schnellere Verarbeitung, die Bilder so wertvoll und wichtig machen. Es ist vor allem der emotionale Aspekt von Fotos, der uns dazu bringt zu kaufen – oder eben auch nicht. Nicht zuletzt ist die Kaufentscheidung eine emotionale Entscheidung, die auf Vertrauen basiert. Jedes Angebot ist ein Versprechen. Und bei jedem Kauf vertrauen wir darauf, dass dieses Versprechen eingehalten wird.
Was ist also wichtig? Der Kunde muss dir vertrauen. Sonst kauft er nicht.
Als Selbstständiger steht man häufig in einem recht persönlichen Verhältnis zu seinem Kunden. Bevor sie jedoch die Gelegenheit haben uns persönlich kennenzulernen, sehen sie Fotos von uns. Auf sozialen Netzwerken, der Homepage, dem Businessportal.
Und dieses Foto kann bereits darüber entscheiden, ob sich der Kunde für unser Angebot interessiert oder informieren will, oder lieber zur Konkurrenz geht. Und nicht nur der Aspekt des Vertrauens spielt eine wichtige Rolle.
Mario Andreya, seines Zeichen Fotograf (der immer im Weg rumliegt), arbeitet seit Jahren auch für große Firmen und Persönlichkeiten. Er sagt: “Unternehmen, die einen eigenen Fotografen beauftragen haben ihren Wettbewerbern meiner Meinung nach einiges voraus. Heutzutage geht es vielen Unternehmen darum Geschichten zu erzählen, authentisch zu sein, um die Marke mit Leben zu füllen um sie für die Menschen greifbarer zu machen. Mit einem eigenen Fotografen stehen einem Unternehmen somit alle Möglichkeiten der Kommunikation offen. Und so lange es bei Stockfotos noch keine Porträts der eigenen Mitarbeiter gibt, wird das auch so bleiben.”
Ein Beispiel aus dem Businessleben
Weil das bis hier her nach viel Theorie und Blabla klingt, habe ich Beispielbilder aus dem Leben parat. Die zeigen, wie unterschiedlich eine Person und ein Angebot wirken kann, je nach Foto. Und wie angesprochen wir uns davon fühlen.
Beispielmensch Nummer 1 ist Bianca Schiller. Sie arbeitet in ihrer Praxis Coachingnest in Berlin als Coach für Traurigkeitsarbeit. Sie unterstützt also Menschen in Trauerphasen, die ganz unterschiedliche Ursachen haben können.
Welchen Anspruch haben wir an Bianca, wenn ihre Arbeit für uns interessant ist?
Wir wollen sicherlich jemanden, dem wir vertrauen können, denn so oder so handelt es sich um eine private, womöglich sehr schmerzhafte Angelegenheit. Wir wünschen uns jemand der sympathisch ist und zuhören kann, jemand mit gesundem Optimismus. Aber auch jemanden, der uns nicht auslacht.
Sehen wir uns erst mal an, welche Fotos Bianca bisher verwendet bzw. zur Auswahl hatte.
Vorher:
Scheint so, als hätten wir es mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun, oder?
Links sehen wir jemand, der strahlt, offen lacht und sehr glücklich aussieht. Vielleicht schon ein bisschen zu fröhlich in anbetracht dessen, dass es um das Thema Trauer geht. Und vielleicht ist der braune Hintergrund auch nicht ideal, alles wirkt ein bisschen Ton-in-Ton. Und dunkel.
Rechts haben wir ein ganz anderes Bild: Das sieht kühl und seriös aus, aber wenigstens deutlich heller. Eine Businessfrau! Aber jemand, der mir hilft meine Trauer über den Tod eines Angehörigen zu überwinden? Eher nicht. Dieses Bild suggeriert sogar eine gewisse professionelle Distanz.
Nachher:
Wie wirkt dieses Bild auf dich?
Ich finde, es zeigt jemanden, der zuhören kann. Der verständnisvoll ist und positiv. Warmherzig und freundlich. Mit einem Lächeln auf den Lippen aber genug Ernsthaftigkeit, um mich und mein Problem ernstzunehmen. Der märchenhafte Hintergrund mit Hell-und-Dunkel ist vielleicht ein gutes Sinnbild für schwierige und besser werdende Zeiten. Licht am Ende des Tunnels. Geht es dir genau so?
Sieh dir die drei Bilder noch einmal im Vergleich an. Wenn es sich um drei unterschiedliche Personen und Angebote handeln würde, für welches würdest du dich entscheiden?
Der Vergleich mach es deutlich: Im Zweifelsfall bevorzugt ein Kunde die Konkurrenz, einfach weil sie “besser aussieht.” Und besser zur eigenen Erwartung passt. Das ist der Grund, weshalb das falsche Foto deinem Business großen Schaden zufügen kann.
Das Portrait deiner Marke
Wenn du als Selbstständiger auch deine eigene Marke bist, musst du nicht nur auf den richtigen Eindruck als Person achten. Sondern auch deine Marke wiederspiegeln. Das geht natürlich über Farben, Licht, Kleidung und Location, aber auch über eine krasse Umsetzung der Unternehmenswerte. Ein schönes Beispiel bietet Jenna von youcanbrand.com. Eine Powerfrau die den Retrostil liebt und ihn zu ihrer Marke gemacht hat. Auch das können Businessfotos sein!
Ich bin nicht fotogen, gilt nicht
Damit die Fotos für deine Außendarstellung auch zu deiner Marke und deinem Versprechen passen, solltest du verschiedene Faktoren beachten. Ein kompetenter Fotograf hilft dir dabei, dein Corporate Design auch in deinen Fotos umzusetzen. Und keine Sorge wenn die Kamera bisher nicht dein Freund war!
“Die meisten Menschen die ich fotografiere, stehen nicht gerne vor der Kamera. Deshalb muss ich ihnen die “Angst” nehmen. Meistens verwickele ich mein Motiv in ein lockeres Gespräch und fotografiere währenddessen, gebe Anweisungen zur Haltung und kommentiere vieles. Meistens entsteht so automatisch eine entspannte Atmosphäre und man vergisst schnell, dass man gerade vor einer Kamera steht – und das sieht man. Das ist alles. Eigentlich ganz einfach, oder?”, sagt Mario Andreya. Und wenn man sich die Ergebnisse seiner Arbeit ansieht, ist das überzeugen und offenbar, ja, ganz einfach.
Was gute Businessportraits ausmacht:
- Sie sind auf dich zugeschnitten
- Farben, Licht, Hintergrund passen zu deiner Marke
- Der Stil der Fotos passt zu deinem Design (s.o.)
- Du bist entspannt, natürlich und authentisch – falsches Lachen erkannt man!
- Du wirst “on-Location” fotografiert – einfarbige Hintergründe sind out
- Sie übermitteln den richtigen / angemessenen Eindruck
Wer diese Aufzählung liest, versteht schon, dass dafür ein Profi ran muss. Und schließlich geht es hier um einen entscheidenden Verkaufsfaktor, weshalb klar sein sollte, dass man dafür besser Geld in die Hand nimmt. (Und nicht das eigene Smartphone mit Frontkamera.)
Wie hoch diese Summe für ein gutes Ergebnis mindestens sein muss, lässt sich natürlich nicht sagen. Unser Fotografenprofi gibt aber noch mal einen Tipp an die Hand: “Du wirst in allen Preis- und Qualitätsstufen jemanden finden. Aber um mal eine ganz grobe Orientierung zu bieten: Ich selbst würde niemanden buchen, der es für unter 300 Euro anbietet.”
Habt ihr Empfehlungen für tolle Fotografen oder Portraits, die euch einfach sehr gut gefallen? Dann teilt sie doch mit uns! Ich bin mir sicher der ein oder andere überdenkt in dieser Sekunde noch mal, ob das eigene Businessfoto wirklich so passend ist… 🙂
Danke….Sehr hilfreicher Post und sehr motivierend 😉
Hallo Ute,
Danke, das freut mich!
Liebe Grüße
Tamara
Hi,
Du hast absolut recht. Genau so ist es. Ich selbst als Fotograf stelle fest, dass es heutzutage nicht mehr auf sterile und gestellte Fotos ankommt. Viel mehr sind authentische Fotos und Selbstdarstellung gefragt.
Hallo Tom,
schön, dass du die gleichen Erfahrungen gemacht hast. Auch wenn es im Selfie-Wahn nicht mehr so scheint, für einige zumindest, gute Fotografen sind so wichtig und gefragt wie nie. 🙂
Liebe Grüße
Tamara
Hallo Tamara,
schöner Artikel und die Bilder von “Bianca” veranschaulichen es wunderbar.
Gruss
Martin
Hallo Martin,
vielen Dank dafür! Ja, ich bin sehr froh, dass mir Bianca ihren fotografischen Werdegang zur Verfügung gestellt hat. 😉 Bessere Beispiele hätte ich kaum finden können!
Liebe Grüße
Tamara
Danke Tamara für den tollen und wichtigen Artikel. Wie recht du hast. Ich bin ja bisher froh dass ich eine Fotografin gefunden habe, die schöne Fotos von mir für meine Webseite gemacht hat. Aber die Überlegungen, was man aussagen möchte und was angemessen ist usw. ist noch mal eine andere Nummer … seufz … wo finde ich so jemanden, der/die sich so gut auskennt und der dann noch mich mit der Kamera anfreundet? Liebe Grüße Katrin
Hallo Katrin,
danke für dein Lob! 🙂 ich kann nur den hier im Artikel erwähnten Mario Andreya empfehlen, ansonsten hilft wohl nur die gute alte Recherche. Und wenn du jemanden gefunden hast, viiiel nachfragen, um zu sehen, ob er / sie sich wirklich Gedanken darüber macht, wie Fotos aussehen müssen die zu dir und deinem Angebot passen. Aus welcher Ecke kommst du denn?
Liebe Grüße aus Berlin,
Tamara
Hallo Tamara, ich komme aus Oranienburg, das ist nur ein paar km nördlich von Berlin :-). Den Namen Mario Andreya merk ich mir schon mal. Danke dir! Ich müsste wahrscheinlich erst einmal nur nen Profi auf meine Webseitenfotos gucken lassen, so verkehrt werden meine Fotos vermutlich gar nicht sein. Aber für die nächste Fotosession guck ich genauer, dass der oder diejenige auch Profi für kreative und passgenaue Businessfotos ist. LG Katrin
Wenn ich doch nur darüber nachdenken könnte, ob mein Businessfoto so zu mir passt – ich hab nicht mal das wirklich. 😡
Danke für die Erinnerung, denn ja ich weiß, ich brauche endlich Businessfotos, aber sicher kennt “man” das: Keine Zeit, kein Geld, erstmal unwichtig… und so verschiebt man es immer wieder.
Hallo Alice,
na ja, nach dem Artikel dürfte das Businessfoto ja auf der To Do Liste weiter nach oben rutschen, oder? 😉 Einfach mal anpacken und machen. (Immer leichter gesagt als getan – aber es hilft! :D)
Liebe Grüße
Tamara